ohne worte.
November 9, 2007
Worte.
selbst-verständlich
seit dem Urschrei mein Zuhause
satte Sicherheit in lau(t)en Hülsen
täuschen Heimat vor
Worte.
entlarvt
seit dem Urschrei uns belogen
und wir geglaubt
getan, was sie uns sagten
oder nicht
Worte.
drängen
von allen Seiten
hinein und hinaus
doch trau ich keiner Silbe mehr
und verlier völlig den Boden
unter den Sätzen
Worte.
verblassen
kraftlos und ausgelaugt
fallen sie
in eine Mitte
tiefster Stille
Dort bitt’ ich dich
er-höre mich.
© petra haller
abuse
Oktober 5, 2007
Vollkommenes Blatt
in Rahmen gepresst.
formlos gezeichnet,
übermalt, zerknüllt
und in Fetzen gerissen.
Verrat am göttlichen Motiv.
Dann und wann
stößt man auf Licht
zwischen den Rillen,
im Riss klebt freundlich
noch
das Leben.
Nur blinde Schritte
treten
grob
hinweg.
© petra haller
Konserviert
September 7, 2007
Nur Erhitztes bleibt
dem eingestanzten Datum entgegen
haltbar.
Schnell noch
Erinnerungen machen,
bevor die Grade sinken.
Sie wärmen
und treiben chronisch
den Ablauf vor sich her.
© petra haller
flatline
August 17, 2007
Immer weniger von dir
Immer weniger
und wenige
und wenig
und we
und g
© petra haller
… uns scheidet.
Juli 4, 2007
Die Kolonne gleitet
wie die Jahre zweier Leben,
ihrs und seins,
eins ums andere.
Weiß und rückenfrei
gegen schwarz und hochgeschlossen.
Ein scheuer Kuss
eröffnet das Spiel.
Ineinander verwoben,
auf dass der Tod …
die Frage nach der Ewigkeit
hing noch unbeachtet in allen Wolken.
Ein Schleier wehte
zu heftig im Wind.
Blütenblätter weißer Nelken
fielen flüsternd auf Asphalt.
Heiser war der Chor
schon vor dem Regen.
sprachlos die Liebe
schon damals?
Mutig, wer sich traut.
denk ich heut.
Und höre deutlich,
wie sie hupen
in den Straßen.
© PETRA HALLER
Mein Weg
Juni 12, 2007
hell.
von satten Nuancen umgeben,
sich kreuzend und schattierend,
jede Sekunde Existenz
leuchtet und tanzt
über alles
hinweg.
dunkel.
beschattet, geleert
kriechen Sekunden zu Kreuze
flehen ins Unbekannte
um den Impuls
des einen (nächsten)
Schrittes.
verirrt
immer nur
im Stillstand
dazwischen.
© PETRA HALLER
genug gesagt
April 21, 2007
Als wir begannen anzudeuten,
hörten wir auf zu verstehen.
Millionen verlogene Worte gestreut,
uns sinnlos am Fühlen gehindert.
Verlaufene Sprache wies falsche Wege,
und aller Ausdruck ging verloren.
Unwahre Planen übergestülpt,
bis selbst die Glut verstummte.
Wir konnten uns nie hören
zwischen all dem Gesagten.
© PETRA HALLER
Mutter wartet
April 5, 2007
Mutter wartete
auf mich, die immer zu spät,
auf den Zug, der auch niemals pünktlich
und auf Vater, der irgendwann gar nicht mehr kam.
Mutter wartete
immer
geduldig
auf sich ergebende Chancen
still
auf sich entkräftende Argumente
ausdauernd
auf sich wendende Blätter
beharrlich
auf sich veränderndes Leben.
Und wenn sie nicht gestorben ist …
© PETRA HALLER
Das Wort …
März 24, 2007
Schöpfer, ich bitte für mich,
nicht auf irgendwelchen Knien.
Schamlos und aufrecht,
wie es Eva mich lehrte.
Schick mir alles,
was es zu leben lohnt.
Ich kann nicht genug davon kriegen.
Ich flehe dafür nicht um Vergebung.
Bin kein armer Sünder
und will auch keiner sein.
Ich pfeif auf das jüngste Gericht.
Will Curryhuhn und Baklava
und stell mich nur mir selbst
mit meinem Gut und meinem Böse.
Ganz ohne Angst vor deinem Zorn.
Herr, ich fühl mich durchaus würdig,
dass du eingehst unter mein Dach.
Und mit mir sprichst.
Über deine frohe Botschaft,
die ich zu gern verstehen würde.
Und führe mich doch bitte
mitten hinein in die Versuchung.
Aber erlöse mich zuerst
von all den überweißen Westen,
die nur blenden.
An ihre Reinheit glaub ich nicht.
Schick uns nur den Mut,
zu den Flecken zu stehen.
Den Rest trau ich uns zu.
© PETRA HALLER
versäumt
März 23, 2007
Du fragst mich,
was ich in der Zeit tue,
in der ich nicht bei dir bin.
Ich frage mich,
was ich in der Zeit nicht tue,
in der ich bei dir bin.
© PETRA HALLER