Das Wort …

März 24, 2007

Schöpfer, ich bitte für mich,
nicht auf irgendwelchen Knien.
Schamlos und aufrecht,
wie es Eva mich lehrte.

Schick mir alles,
was es zu leben lohnt.
Ich kann nicht genug davon kriegen.
Ich flehe dafür nicht um Vergebung.
Bin kein armer Sünder
und will auch keiner sein.

Ich pfeif auf das jüngste Gericht.
Will Curryhuhn und Baklava
und stell mich nur mir selbst
mit meinem Gut und meinem Böse.
Ganz ohne Angst vor deinem Zorn.

Herr, ich fühl mich durchaus würdig,
dass du eingehst unter mein Dach.
Und mit mir sprichst.
Über deine frohe Botschaft,
die ich zu gern verstehen würde.

Und führe mich doch bitte
mitten hinein in die Versuchung.
Aber erlöse mich zuerst
von all den überweißen Westen,
die nur blenden.
An ihre Reinheit glaub ich nicht.
Schick uns nur den Mut,
zu den Flecken zu stehen.

Den Rest trau ich uns zu.

© PETRA HALLER

versäumt

März 23, 2007

Du fragst mich,
was ich in der Zeit tue,
in der ich nicht bei dir bin.

Ich frage mich,
was ich in der Zeit nicht tue,
in der ich bei dir bin.

© PETRA HALLER

aladin

März 19, 2007

Du sagst, es sei nicht möglich,
deine Räume zu erfüllen.
Sie seien leer und fordern nichts.

Nichts, das Resonanz erwarten ließe
und keine Spiegelung mehr in ihren Wänden.
Kahle Zimmer mit ausgedienten Böden.

Kein Regler, der den Kälteschock verhindert,
für den, der es leichtsinnig wagt,
barfuß über ihre Schwelle zu steigen.

Vom Vorraum aus wäre jede Tür versperrt,
und die Schlüssel lägen längst begraben
unter dem Schutt eines geahnten Fundaments.

Und doch spür ich geheime Gänge
und ahne tief verborgne Schätze warten,
die mich anheulen wie Wölfe das Mondlicht.

Gewappnet mit Relikten aus abgelaufnen Zeiten,
brech ich auf und folge dumpfen Stimmen,
die wie der Morgenstern mich führen.

Und aufpolieren werde ich den schwarze Gral,
auf das dein Geist mir erscheine,
von dem allein ich hören will,
ich solle mich zum Teufel scheren.

© PETRA HALLER

vertrieben

März 16, 2007

Vor meiner Nase
saftig, erfrischend, verheißend,
zieht er mich an wie ein Pol,
der unverdauliche Apfel,
in den ihr mich zu beißen zwingt.

Triumphierend
bleibt er stecken im Schlund
vor dem Pförtner, der die Leichenhalle bewacht.
Nicht fähig mehr ihn hinzuspucken vor eure Beine
Würg ich mich besinnungslos

und heimatlos –
denn die Vertreibung ist erfolgt.

© PETRA HALLER