aladin
März 19, 2007
Du sagst, es sei nicht möglich,
deine Räume zu erfüllen.
Sie seien leer und fordern nichts.
Nichts, das Resonanz erwarten ließe
und keine Spiegelung mehr in ihren Wänden.
Kahle Zimmer mit ausgedienten Böden.
Kein Regler, der den Kälteschock verhindert,
für den, der es leichtsinnig wagt,
barfuß über ihre Schwelle zu steigen.
Vom Vorraum aus wäre jede Tür versperrt,
und die Schlüssel lägen längst begraben
unter dem Schutt eines geahnten Fundaments.
Und doch spür ich geheime Gänge
und ahne tief verborgne Schätze warten,
die mich anheulen wie Wölfe das Mondlicht.
Gewappnet mit Relikten aus abgelaufnen Zeiten,
brech ich auf und folge dumpfen Stimmen,
die wie der Morgenstern mich führen.
Und aufpolieren werde ich den schwarze Gral,
auf das dein Geist mir erscheine,
von dem allein ich hören will,
ich solle mich zum Teufel scheren.
© PETRA HALLER
vertrieben
März 16, 2007
Vor meiner Nase
saftig, erfrischend, verheißend,
zieht er mich an wie ein Pol,
der unverdauliche Apfel,
in den ihr mich zu beißen zwingt.
Triumphierend
bleibt er stecken im Schlund
vor dem Pförtner, der die Leichenhalle bewacht.
Nicht fähig mehr ihn hinzuspucken vor eure Beine
Würg ich mich besinnungslos
und heimatlos –
denn die Vertreibung ist erfolgt.
© PETRA HALLER
gefühllos
Februar 7, 2007
Sehen wir denn nicht?
Die Pupillen laufen an.
Während wir die Netzhaut studieren,
doch der Durchblick geht verloren
in aller täuschenden Erkenntnis.
Hören wir denn nicht?
Das Stimmband wimmert
Während unsere Wissenschaften rauschen,
doch echolos aus Termini
die Taubheit brüllt.
Merken wir denn nicht?
Die Gewissheit fällt.
Während wir Theorien vertreten,
doch dichte Fäden des Verstandes
erzeugen nichts an Wirklichkeit.
Fühlen wir denn nicht?
Die Seele schmerzt.
Während wir Urteile fällen,
die Leiber sich entzweien
in all dem Gut und all dem Böse.
Spüren wir denn nicht
mehr?
© PETRA HALLER
zu:stimmung
Januar 27, 2007
Es schweigt die Vernunft
im Echo des Spürens
formiert sich weißer Nebel
durchdringt den Widerspruch
und löst ihn mit sich auf
Tausend Fragen
werfen im Gespann
die Fesseln ab
laufen fort eilenden Schrittes
sind es leid zu suchen
nach Antworten
die es nie gab.
Argumente verlieren
ihre dämpfende Wirkung
schreiten ehrfürchtig zurück
und befreien den Raum
für vollendetes Vorhandensein.
Und leise vernehme auch ich
die Erlaubnis
zum Glück
© PETRA HALLER
schwamm drüber
Januar 24, 2007
Wie alt der Schwamm schon ist,
der über der Sache liegt.
Stinkend und unerträglicher
als sie selbst
blutdurchtränkt
liegt er schwer
auf alten Wunden,
die er eigentlich stillen sollte.
© PETRA HALLER
dann
Januar 24, 2007
Um dich in Ruhe abzuwenden,
stell ich dir meine Angst entgegen.
Stolz und stark verdeckt sie mich.
Und was ich war
für den, der mich einst suchte.
Bis deine Sehnsucht
meine Richtung nicht mehr kennt.
dein Haupt sich neigt,
um nur noch kurz zu weinen,
weil nichts begonnen hat.
Bis deine Einsamkeit,
die sich nährt an meiner Starre,
ins Nirgends läuft,
und aufhört zu vermissen,
was niemals werden wird.
Und sie wird erst vergehen,
wenn dort und da die Achsel zuckt
und Atemstöße mich hinausbegleiten,
wenn Gefahren abgewendet,
dann erst lässt sie mich passieren.
Dann
darf ich dich lieben.
© PETRA HALLER